Bisher hatte es ja so scheinen können, als würde alle Begegnung mit Gott im Stillen Kämmerlein oder mit der Bibel auf dem Tisch stattfinden. Dass Gott uns aber (in aller Regel zumindest) nicht zu Einsiedlern gemacht hat, hat Ulla Thumm am vergangenen Sonntag betont.
Beziehungen können freilich auch einmal schwierig sein (der/die Andere ist manchmal ziemlich anders als ich, oder als ich ihn/sie gerne hätte…), aber selbst auf den Schwierigkeiten liegt noch Gottes Verheißung, dass sie uns weiterbringen.
Noch viel mehr bringt es uns weiter, wenn wir mit anderen Erfahrungen austauschen und einander trösten und ermutigen in unseren Wachstumsprozessen, indem wir einander die Augen dafür öffnen, wo Gott überall am Wirken ist. Das schöne daran ist, dass das Neue Testament hier immer von Gegenseitigkeit redet – daher war ja auch der Gedanke des “Selbstversorgers” am Anfang dieser Reihe gestanden: Jeder kann etwas beitragen!
Die wichtigsten Gedanken und Fragen zur Weiterdenken findet Ihr in diesem PDF:
Fruchtbarer Glaube -Beziehungen.key
Unsere Reihe geht weiter: zum Gebet tritt die Beschäftigung mit Gottes Weisung, wie Psalm 1 die Schrift nennt. Auch das ist ein Element fruchtbaren geistlichen Lebens, dass wir Gottes Gegenwart in seinem geschriebenen Wort entdecken. Welche Rolle das für Israel gespielt hat, hat die Predigt zu Psalm 1 beleuchtet, wo die Schriftmeditation eine wichtige Rolle spielt.
Gott ist im Wort der Schrift anders gegenwärtig als im Gebet und der Stille. Juden hatten die Gewohnheit, die biblischen Texte murmelnd zu lesen. Der Vorteil ist, dass man nicht mit einem Auge schon schneller liest als mit dem anderen.
Vielen Christen heute fehlt beim Bibellesen der Zusammenhang. Wenn man das, was man liest, nicht mehr richtig einordnen kann in seinen Zusammenhang, dann werden die Verse aus den Losungen zu einer Art Glückskeks-Variante des Christentums und man versucht (meist vergeblich), eine Art Tagesorakel aus den Bibelschnipseln zu konstruieren. Also ist es ratsam, längere Textpassagen zu lesen: Geschichten, Briefe und viele andere Textarten verstehen wir nur, indem wir sie fortlaufend lesen.
Orientieren könnt ihr Euch
Freilich kann man die Bibel auch regelrecht studieren, also analytisch lesen und systematisch über die Zusammenhänge innerhalb biblischer Texte oder mit unserer Zeit nachdenken. Eine solche Art von Bibelarbeit hat ihren Wert, aber hier steht das Wissen und Verstehen im Vordergrund und die Gegenwart Gottes tritt zurück; es wird manchmal sogar anstrengend.
Im zweiten Teil unserer Reihe über Fruchtbaren Glauben ging es um das Gebet (hier der Mitschnitt). Jesus beschreibt in Matthäus 6, wie das Gebet unsere Haltung im Alltag prägen kann, wenn wir mit der richtigen Haltung beten: Indem wir Gott Raum geben, uns selbst mit unseren Erwartungen, Bedürfnissen und Ansprüchen zurücknehmen und nicht das “Ich”, sondern das “Du” in den Mittelpunkt stellen.
Wie jemand dabei betet – freies Gebet, Stundengebete, kontemplatives Beten – kann jeder selbst entscheiden. Vielleicht nicht nur nach Laune und Geschmack, sondern auch mit der Frage, was in der derzeitigen Lebensphase am meisten weiterhilft. Und man sollte die Form auch nicht ständig wechseln, unser innerer Mensch entwickelt sich ja eher gemächlich.
Die Grundhaltung der Offenheit und (mit Ausnahme des Vorsatzes, für Gott da zu sein) Absichtslosigkeit, die das Beten nicht als ein Mittel zum Zweck versteht, sondern die Gemeinschaft mit ihm als Selbstzweck praktiziert, lässt sich unterschiedlich verwirklichen. Ein gewisses Moment der Stille und des Lauschend sollte aber immer dabei sein. Wir müssen Gott schließlich nicht “zutexten”.
Wenn Ihr das Thema mit anderen besprechen und vertiefen wollt, könnt Ihr Euch an den folgenden Fragen orientieren:
Und wer die Texte und Stichpunkte noch einmal nachlesen möchte, wir hier fündig: FruchtbarGlauben(2)
Im Juli wird uns die Fragestellung begleiten, wie wir unser geistliches Leben so frisch halten können, dass wir nicht nur überleben, sondern wachsen und noch etwas “übrig haben”, um es anderen weiterzugeben.
Die Voraussetzungen sind gut: So ziemlich jeder kann ganz praktisch für sich sorgen. Wir kleiden uns passabel und haben die Körperpflege im Griff, wir erscheinen pünktlich zur Arbeit und werden sogar mit Herausforderungen wie Kindergeldanträgen und Steuererklärungen fertig. Die meisten haben gelernt, das Handy immer einmal auszuschalten, rechtzeitig schlafen zu gehen und andere gesunde Gewohnheiten zu entwickeln.
Im geistlichen Leben geht es um ganz ähnliche Dinge: Uns bewusst Zeit zu nehmen für die Begegnung mit Gott, um den nicht nur unsere private Welt sich dreht, den Hunger und Durst nicht nur zu stillen, sondern in der Art wach zu halten, dass er uns immer wieder zur Quelle des Lebens führt, nicht unterzugehen im Lärm und Getümmel des Alltags, sondern immer wieder den Abstand zu den vielen Dingen zu finden und den Blick für das Wesentliche zu schärfen.
Ab und zu stolpern wir in diesem Bemühen über die Denkmuster der Konsumgesellschaft, über unreife Vorstellungen vom geistlichen Leben oder auch nur über die eigene Trägheit. Die Predigt vom vergangenen Sonntag greift Gedanken des Paulus auf, um die Frage nach gesundem Wachstum zu beleuchten, und was das mit unserer “Ernährung” zu tun hat. Im Glauben erwachsen zu werden, bedeutet, dass wir “Selbstversorger” werden. Nicht um uns dann aus der Gemeinschaft mit anderen zurückzuziehen, sondern um noch tiefer in Beziehungen zu anderen einzutauchen und dort – als “Salz” und “Licht” – Segensspuren zu hinterlassen.
Wenn Ihr das Thema in der Kleingruppe bearbeitet, dann stellt Euch folgende Fragen:
Das PDF zur Predigt steht hier, wenn Ihr mitlesen oder nachlesen wollt: Raum zum Wachsen
In der heutigen Predigt ging es um die viel verwendeten Begriffe „Salz der Erde“ und „Licht der Welt“. Was meint Jesus damit und wie können wir das heute leben?
Die Predigt könnt ihr wie gewohnt im Podcast nach hören (danke an Dirk fürs schnelle Hochladen!) und hier die Präsentation (die hauptsächlich aus Fotos besteht) anschauen.
Ein zentraler Begriff in der Predigt ist „Kontrastgesellschaft”. Dazu noch einmal das Zitat des katholischen Theologen Gerhard Lohfink, der übrigens in einer spannenden Gemeinschaft lebt:
„Gemeint ist vielmehr einzig und allein Kontrast für die anderen und um der anderen willen, also jene Kontrastfunktion, die unüberbietbar ausgesprochen ist in den Bildern vom ‚Salz der Erde’, vom ‚Licht der Welt’ und von der ‚Stadt auf dem Berg’ (Mt 5,13f). Gerade weil die Kirche nicht für sich selbst, sondern ganz und ausschließlich für die Welt da ist, darf sie nicht zur Welt werden, sondern muß ihr eigenes Gesicht behalten. Falls sie ihre Konturen verliert, ihr Licht auslöscht und ihr Salz schal werden läßt, kann sie die übrige Gesellschaft nicht mehr verändern. Dann hilft keine missionarische Aktivität mehr; dann hilft kein noch so betriebsames gesellschaftliches Engagement nach außen hin mehr.“
(Gerhard Lohfink, Wie hat Jesus Gemeinde gewollt, 169)
In euren Kleingruppen oder auch alleine könnt ihr gerne über folgende Fragen weiter nachdenken:
Nachdem Paulus in den ersten beiden Kapiteln erklärt hat, wie die Auferstehung Jesu die Perspektive verändert hat, in der Christen die Welt sehen (und damit auch die Machtverhältnisse innerhalb der Welt), beschreibt er im dritten Kapitel nun, wie ein Lebensstil aussieht, der diese veränderten Machtverhältnisse ernst nimmt und widerspiegelt.
es geht hier also ganz und gar nicht ums “brav sein”, damit Gott nicht wütend wird, sondern darum, unangepasst zu leben und aus dem Trott des “Alten” auszubrechen, das mehr Tod als Leben hervorbringt. Unsere Beziehungen zu einander, zu uns selbst und zu Gott werden von Kräften wie Gier und Gewalt zersetzt. Ging es den Römern auf Kosten anderer um Brot und (blutige) Spiele, so werden wir heute (nicht nur von der Werbung) von klein auf darauf getrimmt, dem Wohlstand und der Sicherheit alle möglichen Opfer zu bringen.
In der “alten” Welt werden Menschen zum Objekt gemacht und ausgenutzt oder ausgebeutet – und manchmal scheint jedes Mittel dazu recht zu sein. Paulus setzt dem eine ganze Reihe von anderen Tugenden entgegen wie Barmherzigkeit, Demut und Geduld.
Einzelheiten könnt Ihr hier nachhören und -lesen: Auferstanden – und jetzt?(4)
Fragen zum Weiterdenken und zum Gespräch in der Kleingruppen könnten zum Beispiel sein:
Ein paar Leute haben nachgefragt, ob man die Gedanken vom Samstag, den 14. April in Vierzehnheiigen noch einmal irgendwo nachgören kann. Vorsorglich hatte Joachim alles mitgeschnitten und Dirk hat es online gestellt, hier könnt Ihr also die Audio-Datei im mp3-Format hören.
Und die wichtigsten Stichpunkte habe ich hier nochmal kurz zusammengestellt (pdf): ELIA-Code
Das ist freilich alles nur eine grobe Skizze, kein ausgefeiltes Konzept, und eher die Grundlage für weitere Gespräche und ein gemeinsames Nachdenken, wo unser Weg hinführt. Zum Beispiel im nächsten ELIA-Forum am Donnerstag, den 10. Mai um 20.00 Uhr!
Von Anfang an wird Jesus in den Evangelien nicht nur als der Messias der Juden dargestellt, sondern auch als der Menschensohn, der über den engen Rahmen Israels hinauswächst. Das beginnt schon mit dem Erscheinen der “Weisen” bei seiner Geburt, und es setzt sich fort in dem Tumult, den seine erste Predigt in Nazareth auslöst.
Und dem kurzen, scheinbar herben Disput mit der syrophönizischen Frau über Heiden, Hunde und Brotkrümel erweitert sich Jesu Verständnis seiner eigenen Sendung: Sie bleibt keine “Ausnahme”.
Schließlich stirbt Jesus auch noch als der Menschensohn, der von den eigenen Leuten verstoßen und “den Heiden ausgeliefert” wird (Markus 10,31). Und so kommt das Evangelium endgültig zu den Heiden und wird dort auch als erstes verstanden: Von einem Zenturio der Wachmannschaft.
Paulus zieht in Kolosser 3 daraus die Konsequenz, dass weder starre und hierarchische Geschlechterrollen noch soziale Schichten oder nationale Grenzen in der Gemeinde Geltung haben können: Weder die zwischen Juden und Heiden noch die zwischen Griechen und Skythen. Ein wichtiger Schritt zu dem multikulturellen Christentum, das im Vielvölkergemisch der antiken Großstädte so erfolgreich Fuß fasste.
Für uns heute stellt sich dann zum Beispiel die Frage, wie Gemeinden in einer Stadt aussehen müssten, deren Bürger zu einem Drittel (!) Migrationshintergrund haben. Wer sich das Ganze etwas ausführlicher anhören möchte, kann hier in den ELIA-Podcast klicken. Wer die wichtigsten Gedanken mit- oder nachlesen möchte, findet sie hier.
Letzten Sonntag hörten wir neben dem wunderbaren Gospelchor auch die zweite Predigt in der aktuellen Predigtreihe zur Bedeutung des Kreuzes. Die Predigreihe ist inspiriert von dem Buch »Transforming Atonement. A Political Theology of the Cross« von Theodore W. Jennings. Die Grundgedanken des Buches, die ich am Anfang der Predigt kurz erwähnt habe, könnt ihr auf Peters Blog nachlesen.
Schwerpunkt der Predigt war die Solidarität Jesu mit den »Sündern«, die ihn ans Kreuz brachte (wobei mit Sündern vor allem die gemeint waren, die von den damaligen religiösen Eliten als Sünder bezeichnet wurden). Von Jesus ausgehend haben wir Paulus betrachtet und seine Aufforderung »Nehmt einander an, wie Christus uns angenommen hat« (Römer 15,7), was dann zu ein paar Gedanken führte, was das Thema für uns heute bedeuten kann.
Die Predigt könnt ihr hier nachhören und ein paar Stichworte dazu hier nachlesen.
Zum Weiterdenken biete ich folgende Fragen an, die natürlich gerne ergänzt werden können:
Da es auf die Predigt viele Reaktionen gab und sie bei manchen Irritationen ausgelöst hat, möchte ich noch auf ein paar Punkte hinweisen:
Wer noch einmal mit mir über die Predigt sprechen möchte, ist herzlich eingeladen, nächsten Donnerstag (8.3.) nach dem Gebetstreffen noch etwas dazubleiben und zu disktuieren oder direkt um 19:00 Uhr ins ELIA-Büro zu kommen.
Manchmal ist es doch von großem Vorteil, selbst im Gottesdienst gewesen zu sein. Aus irgendeinem Grund hat die Aufnahme heute nicht geklappt und die von letzter Woche ist auch auf mysteriöse Weise verschollen.
Zum Glück sind die Stichpunkte für heute relativ detailliert. Wer also dem Zusammenhang zwischen dem heilenden und dem leidenden Messias, dem barmherzigen Gott und dem Leben in einer Welt, die immer noch voller Leid ist, etwas nachspüren möchte, der kann sich das hier noch einmal durchlesen.
Das Bild vom World Photo Award 2012 findet Ihr hier.
NACHTRAG: Hier steht der Podcast – zwar nicht im Original, aber im “Nachbau” nun online, zum Nachhören