Es geht die nächsten Wochen um das Reich Gottes. Ein Thema, das immer wieder für ein paar Überraschungen gut ist. Zur Predigt vom vergangenen Sonntag ist das PDF hier zu finden, das mp3 hier.
Jesu Zeitgenossen hatten, je länger, je mehr, Mühe mit seiner Predigt vom Reich Gottes. Es schien merkwürdig unsichtbar. Sicher, ein paar Menschen zogen mit ihm umher, und ja, es wurden auch einzelne geheilt, viele sogar. Aber selbst von den zehn Aussätzigen in Lukas 17 kam nur einer zurück, und dann auch noch der falsche – ein Samaritaner. Nicht nur die Pharisäer dürften sich gefragt haben, wo es denn nun ist, dieses Reich. Die Römer waren noch da, Herodes trieb sein Unwesen, und die Priester bereicherten sich am Tempel.
Jesus antwortet nun in Lukas 17,20f, das Reich Gottes kommt nicht mit äußerlichem Getöse. Vielmehr ist es – und jetzt kommt alles auf die Übersetzung an -
… “inwendig in euch” – aber dann wäre es nur eine Frage von Gefühl, der Moral und der Werte, des geistlichen Lebens, der Absichten und Ansichten. So lange die stimmen ist alles ok. Reicht das?
… “mitten unter euch” – eine Frage des Miteinanders, des liebevollen und gerechten Umgangs, heiler Beziehungen. Das wird dann gern gegen das Innerliche ausgespielt, etwa so: solange Liebe da ist, braucht man keine Theologie. Oder umgekehrt: Wenn der “rechte Glaube” fehlt, sind alles “tote Werke”
… “in Reichweite” – weder rein innerlich noch lediglich ein bestimmtes soziales Verhalten.
In den beiden ersten Fällen wäre es nämlich schon da. Aber Gottes Herrschaft bricht erst an, sie ist noch im Kommen und sie muss, um erkennbar zu sein, ergriffen werden. Wenn wir weiter lesen, dann redet er von einer schweren Krise Israels, die mit der Versuchung zu tun hat, sich selbst (und damit vermeintlich Gottes Herrschaft) mit Gewalt durchzusetzen – das sind die falschen Messiasse, von denen dann die Rede ist. Sie wollen in der Liga der Großen mitspielen, mit deren Mitteln – und gewinnen.
Die kleinen Ereignisse, die Jesus jetzt umgeben, verweisen auf das Große, das erst noch kommt. Also entscheidet nicht nur die Antwort des Aussätzigen auf seine Heilung, sondern auch die Reaktion der Pharisäer auf Jesu Aufruf, Gewalt nicht mit Gewalt und Hass nicht mit Hass zu bekämpfen darüber, ob und wie das Reich Gottes in der Gegenwart ankommt. Aber überall, wo es ankommt, da erinnert es an Gottes große Verheißungen und es weckt die Sehnsucht nach mehr.
Frage zum Diskutieren:
Wenn Jesus Gottes Herrschaft in Markus 4,30-32 mit einem Senfkorn vergleicht, dann erinnert das an einige Passagen auf dem Buch Daniel (bes. 4,17-19) und Ezechiel (17,1ff und 22-24). Der große Baum mit Platz für die Vögel des Himmels steht im Gegensatz zu den großen Weltreichen – aber er beginnt eben ganz klein, aus dem kläglichen Überrest Israels. Auch deswegen ist das Reich Gottes so schwer zu sehen: Es ist klein und wächst da, wo man es nicht vermutet.
Gott ist jemand, der die Welt als Kleingärtner und Resteverwerter verändert. Es geht nicht um den einen “großen Wurf” oder den strategischen “Marsch durch die Institutionen”. Die Weltreiche stürzen schon deshalb ein, weil sie auf tönernen Füßen stehen. Gott baut kleine, unvollkommene Dinge auf. Wenn wir dabei sein wollen, dürfen wir all das nicht gering achten. Die gute, ermutigende Nachricht dabei ist nämlich die: diese kleinen Dinge spielen eine große Rolle in Gottes Plan. Er verändert die Welt von unten nach oben – das ist unsere Platzanweisung.
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Pingback von peregrinatio » Komisches Kapital — 30. Oktober 2009 @ 09:50