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in diesen Tagen ist mir der Begriff der „natürlichen Ehe“ ein paar Mal begegnet. Offenbar wird er gerade als Kampfbegriff gegen die „Ehe für alle“ in Stellung gebracht. Einmal abgesehen davon, dass man mit dieser Klassifikation natürlich den Versuch einer Exklusion aller „widernatürlichen“ Lebensformen bestenfalls notdürftig bemäntelt, hat der Sprachgebrauch noch einen anderen Pferdefuß:

Ehe (als „Bund“ – also ein Rechtsinstitut, ein Versprechen, ein Ethos der Treue und Fürsorge) ist kein natürliches Arrangement. Weder lässt sie sich durch positive Vergleiche mit „monogamem" Verhalten anderer Lebewesen begründen noch lässt sie sich durch vulgärdarwinistische Vorstellungen vom instinktgesteuerten Streben nach maximaler (und relativ wahlloser) Verbreitung des eigenen Erbguts diskreditieren. Aus natürlichen Phänomenen (oder dem, was man dafür hält) Normen abzuleiten, ist ein notorisch heikles Unterfangen.

Ehe ist ein Kulturphänomen. Sie ist es schon immer gewesen, sie wird es immer bleiben. Daher wandelt sich unsere Vorstellung von Liebe und Ehe auch ständig. Daher müssen wir für eine gute Ehe sogar manchmal gegen unsere – höchst natürlichen – Kampf- und Fluchtinstinkte oder gegen unsere ebenso natürliche Trägheit handeln.

Mit scheint, die Ehe ist ebenso "natürlich" wie nackt durch die Gegend zu laufen.

Das spricht keinesfalls gegen die Ehe, wohl aber gegen die Verabsolutierung bestimmter historisch gewachsener und bedingter Auffassungen mit solch zweifelhaften Argumenten.

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Ich ließ kürzlich meine Begegnungen mit Christen, die sich als Evangelikale identifizieren, einmal Revue passieren und wollte dabei "das Gute behalten“ - im Gedächtnis, und als Folge davon in diesem Post. Es kam einiges zusammen:

  1. Der „geschwisterliche“ Umgang: In den meisten Gruppen und Gremien ist man nach kurzer Zeit beim vertraulichen „Du“. Evangelikale pflegen eine warme, wenig distanzierte Frömmigkeit und haben, wenn überhaupt, eher informelle Hierarchien. Unter den Älteren wird man gelegentlich noch ausdrücklich mit „Bruder“ oder „Schwester“ angeredet.
  2. Die Bereitschaft, sich in Frage zu stellen: Die christliche Tugend der „Bußfertigkeit“ hat sich in weiten Kreisen erhalten. Immer wieder prüfen sich meine evangelikalen Freunde, ob ihr Leben mit ihrem Glauben und Reden übereinstimmt, und sie lassen sich auch von anderen daraufhin ansprechen. Eines der größten Komplimente, dass man als Prediger bekommen kann, ist, dass man seine Hörer „überführt“ und zur Umkehr bewegt hat (in manch anderen christlichen Milieus reagiert man eher verschnupft, wenn man mit seinen dunklen Seiten konfrontiert wird).
  3. Das hohe Engagement: Evangelikales Christentum ist tätiges Christentum. Und auch wenn dieses Selbstverständnis vielleicht radikaler ist als die Praxis an manchen Orten, so fördert es eine rege Praxis, indem es nachdrücklich dazu aufruft. Das ist in der Regel übrigens keine „Leistungsfrömmigkeit", sondern hier schlägt das Anliegen durch, Nachahmer Christi zu sein.
  4. Die Jesusfrömmigkeit: Der etwas antiquierte Begriff „Heiland“ (mein pietistischer Urgroßvater wurde noch „Heilandsbäck“ genannt, weil er Sonntags seine Backstube kalt ließ) hat weithin ausgedient als Anrede für Gottes Sohn, dafür dreht sich nun alles um den Jesusnamen. Die Jesusfrömmigkeit betont die Nähe und Menschlichkeit Gottes, die immanente Seite des christlichen Glaubens.
  5. Mut zur Minderheit: Evangelikale haben sich immer als Minderheit verstanden und sind dies, gesamtgesellschaftlich betrachtet, auch immer gewesen. Sie haben das selten beklagt, aber oft in ein robust positives Selbstbild übersetzt, nämlich das des Propheten, der den Mächtigen so unerschrocken wie undiplomatisch die Wahrheit ins Gesicht sagt. Daher blühen evangelikale Gemeinden oft auch dort besonders, wo Regierungen sie einzuschränken versuchen. Sich dem Mainstream anzubiedern ist also gewiss nicht ihre größte Versuchung.
  6. Das Gründergen: Seit den Anfängen des Pietismus haben Evangelikale überall Basisgruppen und Vereine gegründet und (meistens) ohne obrigkeitliche Förderung am Leben erhalten. Gemeinschaften, diakonische Einrichtungen, Ausbildungsstätten, Missionsorganisationen, Verlage. Und auch wenn davon manche inzwischen in die Jahre gekommen sind, sprießen munter neue Werke aus dem Boden. Wenn die Großkirchen die religiösen DAX-Konzerne in unserer Kultur sind, dann sind die evangelikalen Gründungen wie mittelständische Familienbetriebe. Pioniertypen werden hier sehr geschätzt.
  7. Ihre Opferbereitschaft: Sie setzen für ihre Mission in der Welt Zeit, Kraft und Geld ein und eben auch den guten Ruf ab und an aufs Spiel und wundern sich gelegentlich, dass nicht alles Christen das mit derselben Selbstverständlichkeit tun.
  8. Über den dogmatischen Schatten springen: Weil evangelikaler Glaube konkret und praktisch sein will und meistens auch ist, findet er auch zu einem pragmatischen Umgang mit vielen Phänomenen der modernen Welt wie Kommunikationstechnik oder Management. Theologische Streitfragen (etwa die nach der rechten Form der Taufe) lassen sich um der gemeinsamen Mission willen hinten anstellen, selbst wenn diese für das Selbstverständnis der einzelnen oder einer Gemeinschaft einen hohen Stellenwert haben oder an anderer Stelle (etwa in der Ökumene) kirchentrennend sind.
  9. Wie sie beten: Form und Stil mögen sich unterscheiden, aber sie beten, und sie beten gern gemeinsam. Verschämtes Schweigen oder strikter Formalismus sind eher die Ausnahme. Es gibt kaum etwas, wofür sie nicht beten, weil Gott für sie mit allem zu tun hat, was ihnen begegnet. Davon lasse ich mich gern immer wieder anstecken.

PS: Ich habe auf diesem Blog gelegentlich Ereignisse und Meinungen aus der bunten evangelikalen Welt kritisch oder ironisch kommentiert. Manche LeserInnen haben das leider als Vorurteil oder pauschalen Angriff empfunden (obwohl es unter Evangelikalen zu all diesen Themen auch Kritik und Differenzen gab und gibt und ich darauf in der Regel auch Bezug nehme). Diesmal habe ich den Blick ausschließlich auf die positive Seite gerichtet. Und keine Sorge, das ist weder der Auftakt für eine Serie von Abgrenzungen und Vorwürfen, noch so gemeint, dass alles, was ich hier nicht erwähne, kritikwürdig wäre.

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Gläubige Menschen können ja mitunter sehr empfindlich reagieren, wenn schlecht über Gott (und alles, was sie mit ihm verbinden) geredet wird. In einer pluralistischen Gesellschaft, in der die Meinungsfreiheit ein hohes Gut ist, kommt das regelmäßig vor, und man muss lernen, mit Spott, Verdrehungen und Anfeindungen zu leben.

Ich findes es, ehrlich gesagt, schwieriger, damit zu leben, wie schlecht viele Gläubige über Gott reden. Nicht, dass sie gehässige Dinge über ihn sagen würden, ganz im Gegenteil. Sie sagen nur das gut Gemeinte so häufig gedankenlos, phantasielos und banal, dass es weh tut – so wie es allen leidlich musikalischen Menschen weh tut, wenn jemand schräg singt, oder wie das Quietschen von Kreide auf der Schultafel schmerzhaft sein kann. Vergangene Woche habe ich mich mit ein paar Menschen unterhalten, die von Gott und vom Reden etwas verstehen, und dabei bemerkt, es geht nicht nur mir so (dass ich gerade wieder mal David Bentley Hart lese, schärft den Kontrast ebenfalls).

Um richtig verstanden zu werden – mir geht es nicht um eine theologische Correctness oder um unnatürliche Gestelztheit im Reden. Mir ist auch bewusst, dass es erhebliche Unterschiede in Bildung, Eloquenz und Sprachgefühl gibt innerhalb der Christenheit. Aber manchmal wünsche ich mir jene Ehrfurcht vor dem Gottesnamen zurück, die darin besteht, ihn “nicht unnütz" zu gebrauchen und die im Judentum dazu führte, ihn nicht mehr direkt auszusprechen.

Vielleicht ist es das (in diesen Fällen freilich gescheiterte…) Anliegen, von Gott auf "unfrommme" Art zu reden, in einer Sprache, die auch für Menschen zugänglich ist, die nicht kirchlich sozialisiert wurden, das zu dieser Banalisierung geführt hat, denn sie betrifft viele, die sich irgendwie als "missionarisch" verstehen. Vielleicht soll es die Alltäglichkeit der Gottesgegenwart unterstreichen, dass sie von einem Kumpel-Gott sprechen, der "überallhin mitgeht", "immer dabei" ist und der sich im Bedarfsfall (miese Stimmung, Ratlosigkeit etc.) bereitwillig nützlich macht. Ich glaube, dass die Bibel selbst da, wo sie von Freundschaft zwischen Gott und Menschen spricht, etwas ganz anderes meint als dieses übernatürliche Maskottchen. Das Gerede vom privaten Kumpelgott ist freilich längst nicht mehr unkonventionell oder "authentisch", es hat einen hohen Grad von Stereotypisierung und Formelhaftigkeit erreicht. Es ist, um es anders zu sagen, zu einer festen Liturgie geronnen.

Der Kumpelgott ist ebenso eine Karikatur des lebendigen Gottes wie es sein Vorgänger, der Polizistengott, war, oder dessen Vorläufer und Verwandter, der National- und Stammesgott, der die Interessen einer bestimmten, klar umrissenen Klientel (z.B. des Abendlands oder der wahren Kirche) vertritt. Der Kumpelgott gibt keine Rätsel auf, er stellt mich im Leben vor keine zusätzlichen Herausforderungen, sondern er hilft mir auf Zuruf bei denen, die das übliche Streben nach Glück schon mit sich bringt.

 

Von mir aus soll jede und jeder im stillen Kämmerlein mit Gott so reden, wie ihr oder ihm der Schnabel gewachsen ist. Aber so, wie es peinlich ist, wenn Paare sich vor anderen mit albernen Kosenamen anreden, auf Kindersprache und -stimmchen umschalten oder andere Dinge tun, die hinter verschlossenen Türen nur ihrem eigenen Geschmack und Vorlieben unterliegen, so ist es auch beim Reden von und mit Gott, zumal in der Öffentlichkeit.

Ich glaube, Gott hat es verdient, dass wir gut von ihm reden. Ich glaube auch, dass der Maßstab für "gut" nur der sein kann, dass wir alle unser Bestes geben und an die Grenzen unserer jeweiligen sprachlichen und geistigen Möglichkeiten gehen. Ich glaube außerdem, dass die Menschen, vor und zu denen wir mit und über Gott reden, das verdient haben. Und ich hoffe, dass die Spötter und Zyniker in Zukunft weniger Quatsch finden, den sie genüsslich ausschlachten können.

Zugegeben: Solche Überlegungen können zu einer gewissen Befangenheit führen. Wenn ich mir selber kritisch zuhöre und überlege, ob ich das gerade wirklich so sagen will, stockt die Sprache gelegentlich, zeitweise bleibt sie auch ganz weg. Das ist anstrengend, aber es legt sich wieder in ein paar Monaten. Kein Grund also, sich der Mühe zu verweigern. So lange das mit den eigenen Worten noch nicht so recht klappt, lässt sich die Zeit zum Lesen und Zuhören nutzen. Zum Beispiel bei Abraham Heschel, der schrieb:

Die Kraft des Glaubens liegt im Schweigen, und in Worten, die Winterschlaf halten und warten. Der Ausdruck des Glaubens muss als Überschuss aus dem Schweigen hervorkommen, als Frucht gelebten Glaubens und anhaltender Innigkeit. Theologische Bildung muss diese private Seite vertiefen, um eine tägliche Erneuerung des Inneren ringen, die Zutaten religiöser Existenz kultivieren, Ehrfurcht und Verantwortung.

 

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Dass Barack Obama bei der Trauerfeier für Clementa Pinckney und die anderen Opfer in Charleston "Amazing Grace" gesungen hat, haben viele mitbekommen. Noch viel wichtiger und in Teilen (vor allem im letzten Drittel) auch ergreifender ist seine Ansprache, in der er von den Gnade Gottes im Leben der Opfer und ihrer Gemeinde, ja der afroamerikanischen Kirche insgesamt spricht, wie er den rassistischen Mord in diese Leidens- und Gnadengeschichte einordnet.

Es lohnt sich zu hören, welche Schlussfolgerungen er daraus zieht, die ernst macht mit der Frage, wie man aus eben jener Gnade heraus gesellschaftliches Leben gestalten und verändern kann - und warum uns das Gedenken an die Verstorbenen dazu verpflichtet.

Danke für den Link zum Video, Simon de Vries!

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Kaum zu glauben, dass Juristen auch solche Texte schreiben können. Der Supreme Court der Vereinigten Staaten hat gestern die gleichgeschlechtliche Ehe für verfassungsgemäß erklärt. Richter Anthony Kennedy drückte es so aus:

Kein Bund ist tiefgründiger als die Ehe. Er vereint in sich die höchsten Ideale der Liebe, Treue, Hingabe, Aufopferung und Familie. In dem sie die Ehe eingehen, werden zwei Menschen zu etwas Größerem als zuvor. Wie manche Kläger uns zeigen, verkörpert die Ehe eine Liebe, die so groß ist, dass sie sogar den Tod überdauert. Anzunehmen, dass diese Männer und Frauen die Idee der Ehe nicht respektieren, würde ihnen nicht gerecht. Sie respektieren sie, sie respektieren sie so sehr, dass sie diese Erfüllung für sich selbst wünschen. Ihre Hoffnung ist, dass sie nicht dazu verdammt sind, in Einsamkeit zu leben, ausgeschlossen von einer der ältesten Institutionen der Zivilisation. Sie erbitten sich die gleiche Würde vor dem Gesetz. Die Verfassung garantiert ihnen dieses Recht. So wird es angeordnet.“

(Übersetzung der SZ)

PS: Davon könnten sich manche Theologen auch eine Scheibe abschneiden. Rein sprachlich, natürlich.

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Mein Briefkasten ist seit Tagen leer und seit Wochen unterversorgt. Alles nicht so schlimm, es gibt ja email. Gerade eben kam eine vom DHL. Eine Lieferung (seit 10 Tagen unterwegs) konnte mir nicht zugestellt werden, weil ich unter der Adresse, von der aus ich jetzt gerade auch schreibe, "nicht aufgefunden" werden konnte.

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Wie bitte?

Ein Anruf beim Servicecenter ergab, dass mein Name auf dem Klingelschild stehen muss. Er steht zwar in großen und deutlichen Buchstaben am Fenster direkt neben der Eingangstür steht, aber spielt für die Post keine Rolle, wurde mir erklärt. Na klar: Wo käme man denn auch hin, wenn man mal 50 Zentimeter nach rechts oder links sähe?

Ich habe keine Ahnung, welcher arme Wicht hier eingeflogen wurde, um  für den gierigen Post-Vorstand (3 Milliarden Gewinn im Jahr 2014 waren nicht genug) den Streikbrecher zu spielen, aber hochmotiviert war diese Person nicht. Ein kleiner Vorgeschmack für das, was uns alle erwartet, wenn es den Oberen gelingt, ihr Personal in schlecht bezahlte Servicegesellschaften auszugliedern.

Der Mensch von der Hotline hat den Vorgang so apathisch-achselzuckend kommentiert, dass anzunehmen ist: auch er befindet sich schon in einem gelockerten Verhältnis zu seinem Arbeitgeber. Die Sendung geht jetzt übrigens zurück an den Absender. Vielleicht ist sie ja dann in drei Wochen wieder da.

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Madeleine Delbrêl hat sich zu ihrer Zeit vehement eingesetzt für eine Kirche, die mit der Zeit geht, statt stur auf dem vermeintlich Bewährten zu beharren. Nur im Mitgehen bleibt der Glaube lebendig und Kirche ihrem Auftrag treu. Ein halbes Jahrundert später sind ihre Worte immer noch aktuell:

Es lässt sich leicht feststellen, dass … Milieus entstanden sind, in denen Christen nur unter sich leben. In diesen – regionalen, familiären, beruflichen und freundschaftlichen – Milieus hat das christliche Leben im Lauf der Zeit eine bestimmte Gestalt angenommen und eine bestimmte Mentalität ausgeprägt.

Meist waren dies lebendige Ausdrucksformen des Glaubens. Doch Schritt für Schritt sind daraus veraltete, überholte, um nicht zu sagen: anachronistische Formen geworden. Ein lange Zeit nur unter Christen gelebtes christliches Leben hat zwei Merkmale: Manches liegt darin brach, anderes wird überbetont.

Es ist tatsächlich so, dass in einem Milieu, in dem man als Christen nur unter sich lebt, keine Gelegenheit gibt,  gewisse Glaubenswahrheiten in die Praxis umzusetzen. Und wenn man sie nicht praktiziert, ist man sich ihrer weniger bewusst: man streitet sie nicht ab, aber man vergisst sie.

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Dass Jesus im Zusammenhang mit seinen Gleichnissen davon spricht, dass seine Verkündigung gar nicht darauf angelegt ist, universal verständlich zu sein, sondern dass das Un- und Missverständnis beabsichtigt ist, kann einen schon ziemich irritieren. Vor allem naürlich dann, wenn man voraussetzt, dass Jesu Botschaft sich primär darum dreht, Menschen den Weg zum Seelenheil zu eröffnen. In Matthäus 13,13 steht: "Darum rede ich in Gleichnissen zu ihnen, dass sie sehend nicht sehen und hörend nicht hören und nicht verstehen."

 

Setzt man hingegen voraus, dass Jesu Predigt vom Reich Gottes auf eine (freilich gewaltlose) Veränderung der Machtverhältnisse in Palästina zielte und damit eine viel umfassendere Vorstellung von "Heil" im Blick hatte, dann wird dieser merkwürdige Satz auf einmal plausibel. Der Politikwissenschaftler James C. Scott von der Yale University hat sich über Jahrzehnte mit Protestbewegungen im ländlichen Raum beschäftigt. Scott spricht von einer "Politik der Tarnung und Anonymität, die unter den Augen der Öffentlichkeit stattfindet, aber auf einen Doppeldeutigkeit angelegt ist, die die Identität ihrer Akteure schützt. Gerüchte, Tratsch, Volksmärchen, Witze, Lieder, Rituale, Chiffren und Euphemismen“. Jesu Gleichnisse und Rätselworte passen perfekt in dieses Muster: Unter den Augen der Mächtigen spricht er über eine andere soziale Ordnung als die herrschende; und das in einer Form, die sich weitererzählen und verbreiten ließ, aber für die man nicht (oder nicht ohne Weiteres) verhaftet werden konnte.

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Über die Jahrhunderte scheinen sich Flüchtlingsschicksale nicht grundlegend geändert zu haben. Diese Zeilen aus dem fünften Jahrhundert v.Chr. sprechen für sich.

Jokaste:  So frag ich dich, was mir zunächst am Herzen liegt: Verbannung aus der Heimat - sag', welch großes Leid!

Polyneikes: Das größte; seine Wirklichkeit erreicht kein Wort.

Jokaste: Wie ist das Leben? Was wird dem Verbannten schwer?

Polyneikes: Das Schrecklichste, dass ihm die freie Rede fehlt.

Jokaste: Des Sklaven Los ist, nicht zu sagen, was er denkt.

Polyneikes: Er muss ertragen die Dummheit der Gewaltigen.

Jokaste: Auch das ist traurig, mit den Dummen dumm zu sein.

Aus: Euripides, Die Phönizierinnen

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IMG_0087Wenn wir uns der Natur und der Umwelt ohne diese Offenheit für das Staunen und das Wunder nähern, wenn wir in unserer Beziehung zur Welt nicht mehr die Sprache der Brüderlichkeit und der Schönheit sprechen, wird unser Verhalten das des Herrschers, des Konsumenten oder des bloßen Ausbeuters der Ressourcen sein, der unfähig ist, seinen unmittelbaren Interessen eine Grenze zu setzen.

Wenn wir uns hingegen allem, was existiert, innerlich verbunden fühlen, werden Genügsamkeit und Fürsorge von selbst aufkommen.

Papst Franziskus in der Enzyklika Laudato Si

 

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Christsein als Erlösung aus einer Schuldenkrise - das ist das Paradigma von Erlösung, das die westliche Christenheit seit Anselm von Canterbury pflegt, schrieb der britische Theologe Giles Fraser vor einer Weile im Guardian (danke an Christian Renz für den Tipp!). Menschen haben sich bei Gott verschuldet, ein Ausgleich ist nötig, aber sie können ihn nicht leisten. Erst der blutende und sterbende Christus schafft den Bailout für die Menschen und sorgt dafür, dass die vormals miese Bilanz wieder stimmt. Der Preis ist bezahlt, davon singen vor allem Evangelikale praktisch jeden Sonntag im Gottesdienst, ganz besonders freilich an Karfreitag und Ostern.

Die orthodoxe Kirche hat davon nichts mitbekommen. Sie hat sich 1054 vom Westen getrennt (Anselm erfand seine Satisfaktionstheorie erst 1089). Für die Ostkirche ist Ostern kein Bailout, sondern ein prison breakout, daher ist er mit der Kreuzigung auch nicht abgeschlossen, sondern erst mit der Auferstehung. Christus schafft den Ausbruch aus dem Gefängnis des Todes und nun steht diese Tür allen Menschen offen. Erlösung ist ein Machtkampf und keine Frage der Buchhaltung. Mehr Drama als Deal.

Fraser sieht (so weit ich sehe, ganz zutreffend) in Angela Merkel die Repräsentantin westlicher Erlösung durch schmerzhafte Tilgung der Schulden und in Alexis Tsipras den Vertreter der östlichen Sicht, weil er die Schuldenlast abschütteln will, ohne den von ihr Betroffenen unmenschliche Qualen aufzubürden.

So weit, so schön. Allerdings fragt Fraser zwischendurch rhetorisch, was denn Sünde mit Schulden zu tun habe. Und da würde ich ihm, bei aller gemeinsamen Abneigung gegen das westliche Erlösungsparadigma, widersprechen. Wir finden die Verbindung in den beiden Textvarianten des Vaterunsers: Bei Matthäus wird um den Erlass von Schulden gebetet, während im Lukasevangelium an gleicher Stelle die Vergebung der Sünden erscheint. Und es ist gut vorstellbar, dass die Schulden die ursprünglichere Formulierung sind. Jesus hatte ständig mit Menschen zu tun, für die das ein sehr reales Problem war, daher taucht die Schuldenproblematik in etlichen Gleichnissen auf, wie Richard Horsley detailliert herausgearbeitet hat.

Ein kürzlich erschienener Appell verschiedener Theologen, den das Institut für Theologie und Politik in Münster veröffentlicht hat (danke dafür an Walter Faerber!), nimmt denn auch genau diesen Faden wieder auf, zieht aber eine ganz andere Konsequenz als die Bundesregierung, weil sie Gott nicht in das menschliche Schuldenproblem verwickelt, wie Anselm und seine Nachfolger das taten und tun. Gott beharrt keineswegs auf dem Ausgleich, sondern er verzichtet darauf und widerspricht der gnadenlosen Logik der Kompensation:

Schulden müssen erlassen werden, wenn sie nicht zurückgezahlt werden können und zu Verelendung und Armut führen. Nach der Bibel besteht die Schuld des Menschen vor Gott darin, unbezahlbare Schulden unerbittlich einzutreiben. Gott erlässt dem Menschen die Schuld, die er bei Gott hat, wenn Menschen die Schulden erlassen, die andere bei ihm haben. Die Bibel enthält die jahrtausende alte Weisheit, die sich auch heute in Griechenland bewahrheitet: Unbezahlbare Schulden zerstören das Leben des Schuldners. Die Vaterunser-Bitte “Und vergib uns unsere Schulden” verlangt Verzicht auf die Erfüllung von Gesetzen, die Menschen umbringen. Um des menschlichen Lebens willen, damit also Schuldner leben können, bittet das Vater-unser um Widerstand gegen das Gesetz, dass die Schulden bezahlt werden müssen.

Deutschland hat vom Schuldenerlass nach dem 2. Weltkrieg profitiert, schreiben die Autoren. Nun wäre es an der Zeit, sich zu erinnern und das folgende Jesuswort zu beherzigen:

Wenn ihr denen leiht, von denen ihr es wieder zu erhalten hofft, welchen Dank habt ihr da? Denn auch Sünder leihen Sündern, um das gleiche zurückzuerhalten. … tut Gutes und leihet ohne zurückzuerwarten, und euer Lohn wird groß sein, und ihr werdet Söhne des Höchsten sein … ( Lk 6,34-35)

P.S.: Papst Franziskus thematisiert Schuld und Schulden aktuell in "Laudato Si!" mit dem Hinweis auf die ökologischen Folgen von Schulden und Ausbeutung der armen Länder:

Die Auslandsverschuldung der armen Länder ist zu einem Kontrollinstrument geworden, das Gleiche gilt aber nicht für die ökologische Schuld. Auf verschiedene Weise versorgen die weniger entwickelten Völker, wo sich die bedeutendsten Reserven der Biosphäre befinden, wei- ter die Entwicklung der reichsten Länder, auf Kosten ihrer eigenen Gegenwart und Zukunft. Der Erdboden der Armen im Süden ist fruchtbar und wenig umweltgeschädigt, doch in den Besitz dieser Güter und Ressourcen zu gelangen, um ihre Lebensbedürfnisse zu befriedigen, ist ihnen verwehrt durch ein strukturell perverses System von kommerziellen Beziehungen und Eigentumsverhältnissen.

 

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Die Geschichte von der Speisung der Fünftausend stellt heutige Ausleger vor große Probleme, scheint mir (keine Ahnung, ob die Ausleger selbst das auch merken). Vieles, was dazu gesagt wird, bewegt sich auf den folgenden zwei Ebenen:

Die eher fromme Predigt wird das Wunder betonen, und daraus resultierend die göttliche Allmacht, in der Jesus hier „übernatürlich“ handelt und Unmögliches tut. Sie wird zum Staunen angesichts dieser Allmacht aufrufen und als Anwendung … ok, da wird es dünn: Entweder heißt es dann recht unspezifisch (und damit immer „richtig", aber seltsam irrelevant, weil die Art dieses Wunders dafür gar keine Rolle spielt): Vertrau, dass Jesus auch in deinem Leben Wunder tut. Oder der Hunger wird spiritualisiert und dann macht Jesus uns eben alle irgendwie innerlich satt und zufrieden mit unserem Leben, und natürlich geschieht das durch sein Wort (der Mensch lebt ja schließlich nicht vom Brot allein…), oder sie wird das wahre Bedürfnis einer jeden Menschenseele darin sehen, Vergebung zu empfangen, die angesichts Gottes unbestechlicher Gerechtigkeit aber eigentlich noch unmöglicher ist und daher ein noch größeres Wunder, das nur Jesus allein tun kann.

Die eher liberale Alternative wird das Wundersame in den Hintergrund rücken (oder gleich komplett bestreiten) und dann vom Teilen reden, sie wird sagen, dass es auf der Erde genug gibt jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier, es ist dann von Solidarität die Rede und wie Jesus ein Zeichen setzt, vom Teilen und davon, dass jeder irgendwie bedürftig ist, oder auch von der Verantwortung, die Jesus seinen Jüngern für ihre Mitmenschen auferlegt, obwohl die sich doch ganz ohnmächtig fühlen. Es ist eben oft „mehr möglich“, als man denkt.

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Tabgha am See Genezareth - hier hat der Tradition nach die Speisung stattgefunden

Aus beiden Richtungen kann man dann über die Stichwortassoziation „Brot“ die Kurve zum Abendmahl kratzen und damit ein bisschen verschleiern, dass man aus dem Text nur das herausgelesen hat, was eh schon jeder wusste: Vergebung und "spiritueller Hunger", Solidarität und Teilen, irgendwie ist das wichtig und richtig und hat mit Jesus zu tun.

Weitgehend ausgeblendet wird in beiden Fällen der Kontext von Armut und Hunger, der eben nicht der unsere ist. Die Leute hatten ja nicht einfach ihr Picknick vergessen oder die Ladenschlusszeiten ignoriert. Dabei lehrt Jesus ja auch im Vaterunser, um das tägliche Brot zu beten und den Erlass der Schulden, was schon ein klarer Hinweis darauf ist, dass er es mit verarmten und verschuldeten Menschen zu tun hatte, die sich aus gutem Grund um ihren Lebensunterhalt sorgten (und nicht fürchten mussten, beim üppigen Konsum nicht mithalten zu können). Die Knappheit hatte mit der Steuerlast durch Kaiser, Militärgouverneure und die üppigen Ansprüche der Tempelpriesterschaft zu tun. Eine Missernte führte zum Verlust des Saatguts, zu Schulden, in die Verpfändung von Grund und Arbeitskraft, in Armut und Unterernährung, selbst in einem eigentlich so fruchtbaren Gebiet wie in Galiläa. Daher steht am Anfang auch die implizite Kritik an der selbstsüchtigen Aristokratie: Die Menschen sind "wie Schafe ohne Hirten“ (Markus 6,34 vgl. Ezechiel 34).

Ebenso unsichtbar bleibt meistens die anti-imperiale Zuspitzung der Speisung. Ein Kapitel zuvor „versenkt" Jesus in der Dekapolis eine „Legion“ Dämonen via Schweineherde im See. Eine Legion hatte etwas über 5.000 Soldaten. Jesus speist also nun am galiläischen Ufer eine Legion Menschen, und dazu teilt er sie in Gruppen zu Hundert - da kann man an Zenturien denken, oder an die Abteilungen von 50 und 100 aus Israels Richter- und Königszeit. Nur ist diese Armee der Hungernden unbewaffnet und bekommt von Jesus das, was sie normalerweise an die Besatzer abtreten müssen: Nahrung. Und zwar mehr als genug. Das Ereignis wird als Machttat bezeichnet, weil es tatsächlich die Machtfrage berührt. Jesus stellt, und sei es auch nur für den Moment, eine Anti-Legion der Hungernden auf. Und nachdem diese Legion abgezogen ist, ist mehr Essen übrig, als am Anfang da war (vgl. 2.Könige 4).

Die Frage, die sich für jede Auslegung und Aktualisierung daraus ergibt, ist für mich die: Verliert diese Erzählung nicht jeden Sinn, wenn sie aus diesem Kontext von Armut und Unterdrückung herausgelöst wird, und wenn sie von Menschen erzählt und aktualisiert wird, die dafür kein Verständnis haben, weil sie im Überfluss leben? Im Magnificat heißt es: "Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen.“ Und unmittelbar davor lesen wir: "Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind. Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.“

Während ich die letzten Zeilen dieses Blogeintrags schreibe, lese ich, dass heute Nacht ein Brandanschlag auf die Brotvermehrungskirche in Tabgha verübt wurde. Im Mutterkloster der Benediktiner von Tabgha, der Dormitio in Jerusalem, gab es am 26. Mai auch schon eine Brandstiftung. Es scheint ein Zusammenhang mit rechtsextremen Siedlern im Westjordanland zu bestehen.

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Rob Bells neues Buch Mit Dir. Für Dich. Vor Dir. liegt genau da - vor mir. Ich habe schon auf den ersten Seiten, im typischen Rob-Bell-Stil geschrieben, so manche Weisheit gefunden. Zum Beispiel diese fast schon prophetische Aussage:

In puncto Glauben und Nichtglauben sind wir umgeben von Freunden, Nachbarn, Angehörigen, Intellektuellen und religiösen Systemen mit tief verwurzelten Interessen an den althergebrachten Konzepten, die genauso unbeweglich sind wie manche Traditionen und Auffassungen. Sie verhalten sich mitunter wie geistliche Wächter, Scharfschützen auf den Glaubensdächern. Und sind nicht im Entferntesten daran interessiert, strittige Fragen anzugehen.

Wie um zu beweisen, dass Rob Bell (um bei der Schützenmetapher zu bleiben) mit dieser Einschätzung ins Schwarze trifft, erschien dieser Verriss nun vor einigen Tagen. Der Autor, anscheinend unfähig, sich auf andere Sprachspiele als das eigene einzulassen, ist darüber empört, dass im Zusammenhang mit Gott der Begriff „Energie“ fällt. Also stempelt er Bell kurzerhand zum Esoteriker ab, mit dem Christen sich nicht abgeben sollten. Argumente, die über simple Stichwortassoziationen hinausgehen, sind dazu gar nicht nötig. Und da wir schon bei Stichworten sind: Es war immerhin Paulus, der im Zusammenhang mit Gott immer wieder von energeia sprach.

Nun lese ich „meinen“ Bell fröhlich weiter und bin gespannt, mit welchen Bildern und Begriffen er jenen Menschen eine Brücke baut, die nach einem Zugang zu Gott suchen, an dem ihnen die Wächter der reinen Lehre nicht auflauern.

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Zwei Gespräche aus der vergangenen Woche haben mich beschäftigt. In beiden ging es darum, wie und unter welchen Prämissen wir die Bibel lesen. Die ersten Christen waren eine Minderheit, die immer wieder bedroht und verfolgt wurde. In Europa wurde die Kirche mächtig, regierte gut 1.000 Jahre mit und hat heute immer noch beträchtlichen Einfluss (trotz aller Klagen über Mitgliederschwund, "Werteverfall" oder dass wir "kein christliches Land mehr" sind).

Folglich wurde die Bibel eher staatstragend aufgefasst und ausgelegt. Diese Wirkungsgeschichte hat sich tief in die westliche Mentalität eingeprägt, auch bei Menschen, die sich gar nicht als Christen verstehen. Folglich ist aus Jesus ein apolitischer Messias geworden, der keine alternative Gesellschaft bringt, sondern dessen Reich etwas komplett jenseitiges ist, und dessen Einlassbedingungen der rechte Glaube und ein moralisches Leben sind. Und das Kreuz stellt staatliche Ordnungen samt der Gewalt, die zu ihrem Erhalt angeblich "nötig" ist, keineswegs in Frage, sondern es legitimiert sie noch: Auf Feldzeichen, Flaggen und Orden, um nur mal die sichtbaren Formen zu nennen, oder auf Kruzifixen im Klassenzimmer. Für Paulus hingegen war noch völlig klar, dass die Mächtigen der Welt für den Tod Jesu verantwortlich waren und dass Gott ihr Urteil gegen sie selbst wendet. In der alten Kirche durften Christen daher nicht in der Armee sein, weil das die Handlangertruppe war, die Jesus getötet hatte und immer noch Menschen tötete, um das System zu erhalten.

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Eine junge Frau merkte bei anderer Gelegenheit an, es gebe in der Bibel doch viele Aufforderungen, sich den jeweils Regierenden unterzuordnen. Freilich wird vom Handeln der "Großen" berichtet, oft aber ohne jede positive Wertung. Ich würde das daher auch nicht als Zustimmung betrachten. Mir fielen aber aus dem AT auf Anhieb deutlich mehr Passagen ein, in denen die Mächtigen kritisiert und getadelt werden. Und im Neuen Testament steht jede Form von "Autorität" in der Kirche (und überhaupt) ohnehin unter dem Vorbehalt aus Markus 10,45, dass sie herrschaftsfrei zu sein hat, dass Titel wie "Vater" und "Rabbi" tabu sind (Matthäus 23) und dass äußere Unterschiede keine Rangordnung begründen (Galater 3,28). Stellt man das in Rechnung, dann relativiert sich das Wenige, was etwa Paulus noch über "Unterordnung" schreibt, schon recht signifikant.

Wenn das so ist, meinte meine Gesprächspartnerin am Ende unseres Gesprächs, dann wirft das ja einige Fragen auf im Blick auf heutige Gemeindearbeit.

Womit sie zweifellos Recht hat.

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Das Kreuz Jesu erinnert uns an all die Kreuze, die in der Welt immer wieder aufgerichtet werden. Es will die Leidunempfindlichkeit unserer Gesellschaft empfindlich stören. Diese Leidunempfindlichkeit ist wie ein Dämon, der sich auf das menschliche Denken legt und es trübt. Es verschließt uns die Augen vor dem Leid des Mitmenschen. Doch eine leidunempfindliche Gesellschaft ist eine grausame Gesellschaft.

Anselm Grün

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